Das politische System Deutschlands: Institutionen, Willensbildung und Politikfelder


 
Zu Recht schon jetzt ein Standartwerk
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das politische System Deutschlands: Institutionen, Willensbildung und Politikfelder (Broschiert) Es gibt zahlreiche Bücher renommierter Politikwissenschaftler, die sich ausführlich mit dem Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzen. Kaum eines von ihnen wurde bisher noch nicht als Standardlehrbuch bezeichnet. Seit dem Jahr 2007 wird das Repertoire durch das sehr systematische Buch Das politische System Deutschlands des Heidelberger Professors für politische Wissenschaften Manfred G. Schmidt ergänzt. In dieser Arbeit werde ich mich mit dem umfangreichen Inhalt, der wissenschaftlichen Qualität und auch den Besonderheiten dieses Buches auseinandersetzen, durch die es sich von den anderen unterscheidet.
Ich werde das Buch nach folgenden Kriterien beurteilen: neben der Sachrichtigkeit, der empirischen und argumentativen Untermauerung seiner Argumente vor allem auch eine für den Leser angenehme Schreibweise, welche insbesondere gut verständlich sein sollte. Inhaltlich sollte in dem Buch wie Schmidt teilweise auch selbst in der Einleitung ankündigt immer wieder Bezug genommen werden auf die historische Entwicklung, den internationalen Vergleich, den europäischen Kontext und eine korrekte Darstellung fremder Positionen.


Kurze Zusammenfassung

Das Buch Das Politische System Deutschlands von Manfred G. Schmidt erschien im Jahr 2007 in zwei inhaltlich identischen Ausführungen. Einmal im Verlag C. H. Beck in München zum Preis von 12,90 Euro und außerdem als Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung zu einem Preis von vier Euro. Es umfasst 552 Seiten, ist in drei große Teile und 19 Kapitel eingeteilt. Der Autor gilt als renommierter Politikwissenschaftler und ist vor allem bekannt für seine Theorie der Politik des mittleren Weges. In der Einleitung gibt Schmidt an, als Zielgruppe ein größeres Publikum ansprechen zu wollen, welches Politikwissenschaftler, andere Wissenschaftler genauso wie alle an Fragen der deutschen Politik Interessierte umfasst.

Verständlichkeit
Schmidts lexikonartige Begriffserklärungen machen es für Nicht-Experten leicht, z.B. Hauptbestandteile der Verfassung (S. 27ff), durch ausführliche Darstellung aller Hintergründe und auch den immer wieder hergestellten Bezug zur historischen Entwicklung zu verstehen. Durch die hohe Detailfülle ist das Buch auch sehr gut für nicht-deutsche Leser geeignet, die eine Einführung oder auch Vertiefung zur Thematik des politischen System Deutschlands suchen. Auch für Deutsche ist es interessant ihr eigenes politisches System aus der distanzierten Sichtweise des politischen Vergleichs zu betrachten. Um überflüssige Doppelungen zu vermeiden, gibt Schmidt immer wieder Querverweise auf andere Kapitel des Buches zur Vertiefung an, was auch einen zusätzlichen Bonus zur ohnehin übersichtlichen Struktur darstellt. Sie resultiert mitunter aus Aufzählungen, die durch Absätze optisch hervorgehobene sind, und verschafft dem Leser einen klareren Blick auf seine Argumentation. Das Ganze wird durch ein Glossar abgerundet, das es ermöglicht das Buch auch als Nachschlagewerk zu verwenden.

Wissenschaftlichkeit
Das gesamte Buch verfügt über eine fundierte empirische Basis, die Ausdruck in auffallend vielen Prozentangaben und Jahreszahlen findet ebenso wie in Literaturverweisen bei fast jedem neuen relevanten Argumentationsschritt und auf ein 49-seitiges Literaturverzeichnis gründet. Schmidt stützt sich aber nicht nur auf empirische Daten, sondern erklärt allgemeinverständlich warum verschiedene Aspekte wie bewertet werden. Allgemein fügt der Autor wo es geht Beispiele ein, die der Veranschaulichung und dem Verständnis dienen und auch von seiner beeindruckenden Sachkenntnis zeugen. Bei jeder Bilanzierung setzt er sich mit Gegenstimmen und kritischen Meinungen genauso wie mit Befürwortern bestimmter Sachverhalte aus verschiedenen Richtungen auseinander, wodurch dem Leser ein ausgewogenes Meinungsbild vermittelt wird. Hier fällt jedoch auf, dass durch direkte und indirekte Rede häufig Distanzierung oder Zustimmung verschiedener Ansichten teils unterschwellig vermittelt werden. Eine subjektive Färbung von Texten lässt sich jedoch nie gänzlich ausräumen.

Inhalt
Die von Schmidt allgemein starke Betonung der vielen Vetospieler und Mitregenten zieht sich wie ein rotes Band durch das Buch, was bei der Lektüre schnell ermüdend wirkt. Sicherlich ist der Konflikt zw. Legitimität und Lähmung wichtig und spielt in vielen Zusammenhängen eine Rolle, jedoch läuft fast jedes Kapitel im Fazit auf dieses Ergebnis hinaus. Fast die gesamte zweite Hälfte des ersten Teils ist dem Thema halbsouveräner Staat gewidmet. Des Weiteren empfinde ich den Blick Schmidts bei der Suche nach Zusammenhängen und Erklärungen teilweise als zu sehr nach innen gerichtet. Erstaunlich ist insbesondere, dass das Thema EU lediglich marginal erwähnt wird. Man könnte fast den Eindruck einer EU-Phobie des Autors bekommen. Ich hätte mir ein eigenes Kapitel zu dem Thema im ersten Teil gewünscht und vielleicht tut Schmidt es ja bald Rudzio gleich, der sein Werk in der neuesten Ausgabe von 2006 gerade um ein solches erweitert hat.
Die besondere Stärke des Buches liegt im II. Teil, durch welchen sich das Lehrbuch besonders von anderen Büchern zur Thematik abhebt. Ein weiterer Pluspunkt besteht darin, dass Schmidt sich nicht mit dem bloßen Zusammentragen vorhandener Informationen zufrieden gab, sondern viele eigene Gedanken in das Buch hat einfließen lassen. Dabei bleibt er nicht nur auf der theoretischen Ebene, sondern stellt immer wieder den Bezug zur Realität her, unter anderem zu hochaktuellen Geschehnissen und Persönlichkeiten.

Empfehlung?
Insgesamt liegt mit dem Buch Das politische System Deutschlands aufgrund seiner enormen Spannbreite, aber auch der Materialfülle, mehr als eine Einführung vor. Aus dem Grund gilt Schmidts Lehrbuch bereits zu Recht als ein Standardwerk und ist sehr zu empfehlen. Wer alles versteht hat einen guten Durchblick und kann auch tagespolitische Ereignisse mit einem analytischen Blick verfolgen.


Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Februar 2008
Kundenrezensionen:
3. Hervorragende Einführung in das politische System der BRD
2. Zu Recht schon jetzt ein Standartwerk (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Umfassend, aber m.E. zu langatmig.
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